Argumente gegen die geplante Gondelbahn von Weggis – Rigi Kaltbad

Die Rigi Bahnen AG plant den Ersatz der heutigen Pendelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad (Baujahr 1968) durch eine Gondelbahn sowie weitere Neubauten und Anpassungen der heutigen Infrastrukturen (Berg- und Talstation, Areal rund um die heutige Talstation). Für die Bewilligung und Realisierung der Projektbestandteile müssen kommunale Nutzungspläne und das regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept angepasst werden. Sodann benötigen die Rigi Bahnen Konzessionen und Plangenehmigungen durch das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Erst am 11. Februar 2020 – einen Monat nach Erhalt – publizierten die Rigi Bahnen das brisante ENHK-Gutachten (Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission), das sich zum Landschaftseingriff für den Bau einer Gondelbahn an der Rigi-Südflanke äussert.

Das Gutachten ist eine grosse Enttäuschung für alle, die von der ENHK ein klares Statement zum Schutz der landschaftlich einmaligen Rigi-Südflanke (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler 1606 Vierwaldstättersee, BLN) sowie eine dezidierte Stellungnahme zur eminent wichtigen Funktion des Weggiser Schutzwalds (Chilewald) erwartet haben.
PDF Gutachten der ENHK – Ersatz Pendelbahn Weggis – Rigi Kaltbad, UVB-Voruntersuchung mit Pflichtenheft für die Hauptuntersuchung, Gemeinde Weggis LU

Sogleich stellten wir in einer Medienmitteilung am gleichen Tag die neuesten und skandalösen Fakten zum drohenden Eingriff in den Weggiser Schutzwald zuhanden der Allgemeinheit zur Verfügung.
> PDF Medienmitteilung 11.2.20

Laufende Petition «Rigi: 800‘000 sind genug!» mit 3453 Unterzeichnungen übertrifft 1. Rigi-Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World». 7 Millionen Franken überteuertes neues Vitznauer Dienstleistungszentrum der Rigi Bahnen ohne Warteraum für Individualreisende
Medienmitteilung 20.11.20
Rigi Bahnen halten trotz Tourismuskrise an realitätsfremder Wachstumsstrategie und 25-Millionen-Franken Gondelbahnprojekt fest und nehmen Zerstörung geschützter Lebensräume im BLN-Gebiet 1606 in Kauf. VR und GL schweigen nach wie vor zu den Dumpingpreisen Medienmitteilung 1.10.20
Konstruktive Vorschläge der Aktionäre / Petitionäre Antoinette Schmid, René Stettler und Ivo Voehringer zuhanden VR/GL RBAG, 12.8.20
„Rigi Bahnen: Fragwürdiges Protokoll der 28. Generalversammlung vom 14.5.20“, Medienmitteilung, 5.6.20 / Kurzversion Medienmitteilung
„‚Der Schutz der Biodiversität muss oberstes Ziel sein'“, Leserbrief, René Stettler, Luzerner Zeitung, S. 27, 12.5.20
„Rigi-Petitionäre kritisieren Dumpingpreise für Asiaten und Eingriff in die Landschaft scharf“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 29.4.20
PDF Stellungnahme zu den Antworten des Verwaltungsrats der Rigi Bahnen AG vom 22. April 2020 auf 3 Anträge zuhanden der Generalversammlung vom 14. Mai 2020 (ohne Anwesenheit der Aktionärinnen und Aktionäre), Medienmitteilung, 28.4.20
„Tatsächlich: Rigi-Aktionäre können erstmals über Tourismus-Strategie abstimmen“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 22.4.20
„Brisante Anträge für Rigi-Versammlung“, Niels Jost, Luzerner Zeitung, S. 28, 18.4.20
„GV der Rigi Bahnen AG: Drei brisante Anträge könnten Aktionäre beschäftigen“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 17.4.20
PDF Schriftliche Anträge von Aktionärinnen und Aktionären der Rigi Bahnen AG zuhanden der ordentlichen Generalversammlung 2020 vom 14. Mai 2020, ohne Teilnahme der Aktionärinnen und Aktionäre, 14.4.20
„Umweltverbände kritisieren Bundesgutachten zu Rigi-Gondelbahn“, Luzerner Zeitung online, 17.3.20
„Umweltverbände kritisieren Gutachten zu Rigi-Gondelbahn“, htr.ch, 17.3.20

Stellungnahme zum Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK)

Die Stellungnahme vom 27.3.20, die über den Link unten heruntergeladen werden kann (PDF), beinhaltet folgende 13 Punkte sowie abschliessende Bemerkungen:

  1. Das ENHK-Gutachten vom 13.12.19 basiert auf widersprüchlichen Grundlagen.
  2. Das ENHK-Gutachten basiert auf Grundlagen, welche zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens nicht auf dem aktuellen Stand waren.
  3. Dem ENHK-Gutachten kann nicht entnommen werden, ob der Einfluss auf die Biodiversität bei den Stützenstandorten berücksichtigt wurde.
  4. Im ENHK-Gutachten ist nicht lesbar, ob der Zunahme der Naturgefahren im Chilewald und für die Bewohner von Weggis Rechnung getragen wurde.
  5. Das ENHK-Gutachten zeigt, dass die erforderliche Waldschneisenbreite nicht geprüft wurde.
  6. Das ENHK-Gutachten bestätigt, dass Rodungen im Chilewald erforderlich sind, erwähnt aber die reduzierte Steinschlag-Schutzwirkung nicht.
  7. Das ENHK-Gutachten nimmt nicht Stellung dazu, dass die Stütze 11 und die Bergstation in einer Quellschutzzone stehen.
  8. Das ENHK-Gutachten nimmt nicht Stellung zur Waldbrandgefahr während einer Trockenperiode.
  9. Das ENHK-Gutachten wertet den Einfluss des permanenten Lärms einer Gondelbahn im Dauerbetrieb nicht.
  10. Das ENHK-Gutachten nimmt in keiner Weise Stellung zur Zerstörung der Biodiversität als Folge von Vibrationen einer Gondelbahn.
  11. Das ENHK-Gutachten spielt die landschaftliche Dominanz der neuen 65 Meter hohen Vollwandstütze 3 herunter.
  12. Das ENHK-Gutachten basiert auf einer irreführenden Aussensicht auf die Rigi-Südflanke und verharmlost die Landschaftsverschandelung durch den 75 Meter hohen Masten 7 auf der Müseralp.
  13. Das ENHK-Gutachten macht irreführende Angaben bei der Begründung des Systemwechsels von der Pendel- zur Gondelbahn.

Abschliessende Bemerkungen

PDF Stellungnahme zum Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK), publiziert am 27. März 2020

Die Konsequenzen einer Gondelbahn

Die Konsequenzen einer Gondelbahn sind sowohl für die hoch-exponierte Landschaft des Rigi-Südhangs wie auch den heute schon an seine Grenzen stossenden Tourismus auf der Rigi mit knapp einer Millionen Reisenden pro Jahr massiv:

  • Eine Gondelbahn hat Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr, das Parkraumangebot, Kapazitätsengpässe bei der Anreise nach Weggis sowohl im Bereich öV, Schiff und Strasse.
  • Es ist unklar, wie sich die Frequenzen und Besucherströme nach der Inbetriebnahme einer Gondelbahn entwickeln und wie einer massiven Überschreitung der Strassenkapazität und des Parkplatzangebots entgegengewirkt werden kann.
  • Das zu erwartende Verkehrsaufkommen steht in krassem Widerspruch zur den heute geforderten CO2-Reduktionen, die in Zeiten des Klimawandels für alle Grossprojekte unabdingbar sind. Das geplante erhöhte Parkraumangebot für Tagesgäste bewirkt eine grosse Zunahme der CO2-Emissionen in Weggis von der alle Weggiserinnen und Weggiser betroffen sind.

Streckenführung und -profil der geplanten Gondelbahn durch das geschützte BLN-Gebiet 1606

 

 

Streckenführung der geplanten Gondelbahn durch das BLN-Gebiet 1606 (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler 1606 Vierwaldstättersee) und der betroffene Korridor im Weggiser Schutzwald (Chilewald), wo mutmasslich umfangreiche Rodungen (Waldschneise) und später kostspielige Schutzbauten nötig sind (grosser grauer Balken). Rotes Dreieck: Standort des überdimensionierten neuen Mastens von ca. 75 Metern Höhe auf der Müseralp.
Visualisierung: René Stettler, 2019; Photo Rigi-Südhang/Weggis: Antoinette Schmid, Rigi Kaltbad, 2018.

 

 

 

 

Das am 5. Februar 2020 anlässlich einer Informationsveranstaltung in Vitznau von den Rigi Bahnen öffentlich gezeigte Streckenprofil der geplanten Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad mit 3 überdimensionierten Stützen (rot gestrichelte Kreise; Stützen 3, 4 und 7), die Teil der drohenden «Wöschhänki» an der Rigi-Südflanke sind, die das Landschaftsbild verschandelt.

Die Vollwandstütze 3 am Fuss des Weggiser Chilewalds überragt das Gelände mit unglaublichen 65.50 Metern. Die Stütze 4 im Chilewald hat eine Höhe von 38.43 Metern und die Stütze 7 in der Geländekante Müseralp eine Höhe von rund 75 Metern! Die Stütze 11 – die letzte Stütze vor der Bergstation – kommt in eine Quellschutzzone zu stehen (Standort: gestrichelter roter Kreis im Bild oben rechts und blau gestrichelte Fläche im Kartenausschnitt unten).
Streckenprofil: © Rigi Bahnen AG, 2020; Visualisierung mit roten gestrichelten Kreisen / Kartenausschnitt Areal vor der Bergstation: René Stettler, 2020.

 

 

Forderungen im Zusammenhang mit dem Ersatz der heutigen Pendelbahn

  • Die Beweggründe der Rigi Bahnen AG für den Bahnsystemwechsel müssen sachkompetent geprüft werden.
  • Es ist bei allen Planungen unumgänglich, die wichtige Schutzfunktion des Weggiser Chilewalds einzubeziehen. „Chilewald: Wichtiger Schutzwald für Weggis“, Silvio Covi, Wochen-Zeitung, Nr. 5, S. 7, 31.1.20; „Weggis braucht den Schutzwald“, Gallus Bucher, Wochen-Zeitung, Nr. 12, S. 14-15, 20.3.20. Dieser Bericht von Gallus Bucher zeigt auch auf, welche wichtige Schutzfunktion der Wald an der Rigi-Nordlehne hat: „Schutzwald erfüllt wichtige Schutzfunktion“, Gallus Bucher, Wochen-Zeitung, Nr. 41, S. 10-11, 9.10.20.
  • Die gesetzlichen Auflagen der Schutzzonen müssen zur Vermeidung der Naturgefahren konsequent durchgesetzt werden.
  • Der Schutz der Biodiversität muss oberstes Ziel sein.
  • Das Ziel muss sein, die Zerstörung des Landschaftsbildes zu verhindern.
  • Die Bevölkerung muss vor möglichen Lärmbelastungen durch die Seilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad geschützt werden.

 

 

Weggiser Chilewald mit der heutigen Pendelbahn nach Rigi Kaltbad. Droht dem Weggiser Chilewald, der eine eminent wichtige Schutzfunktion hat, eine riesige Waldschneise? Der Weggiser Chilewald ist mit dem Hang ob der 2019 gebauten Gondelbahn Schmitten, Zell am See – Kaprun / Österreich, vergleichbar (Bild unten). Die Rigi Bahnen stellen eine mutmasslich bis 70 Meter breite Waldschneise in Abrede. Die neuesten Fakten mit Einschätzungen von Fachleuten des Seilbahnbaus sehen anders aus!
Bildnachweise: Photo Chilewald von Antoinette Schmid, Rigi Kaltbad, 2019; Photo der Talstation Gondelbahn Schmitten (Ausschnitt) © Schmittenhöhebahn AG, 2019.