Manifest für eine sichere und umweltverträgliche Seilbahnverbindung von Weggis nach Rigi Kaltbad

 

Geschützte zum Vierwaldstättersee hoch exponierte Rigi-Südflanke. Sie gehört zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, den wertvollsten Landschaften der Schweiz.
Fotos oben: Pendelbahn Weggis-Rigi Kaltbad (Ausschnitte), Antoinette Schmid, Rigi Kaltbad

 

„Abstimmung 27. November 2022 – Seilbahnkorridor und Umzonung bestehende Bergstation Pendelbahn (GB 1318)“, Weil die Befürworter der Gondelbahn in der Sache keine überzeugenden Argumente haben, lenkt man mit PR-Interviews (Werbung in eigener Sache!) von den eigentlichen Problemen ab. Freundinnen und Freunde der Rigi / 7801 Unterzeichnende der Rigi-Petitionen, Wochen-Zeitung, Nr. 36, S. 7, 9.9.22.

„Propagandistische Aussagen zu den Rodungen für eine Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad“, In der Wochen-Zeitung vom 8. Juli 2022 hat sich der CEO der Rigi Bahnen AG Frédéric Füssenich zum Seilbahnkorridor und den umfangreichen Rodungen geäussert. Die Argumente der Geschäftsleitung vermögen in der Sache nicht zu überzeugen, Freundinnen und Freunde der Rigi, Wochen-Zeitung, S. 9, 15.7.22

Medienmitteilung 27.6.22 / Flugblatt (Manifest Pro 1:1-Pendelbahnersatz)
> PDF Manifest (Wochen-Zeitung, 24.6.22)


Am 27. November 2022 (neuer Abstimmungstermin) entscheiden die Stimmberechtigten von Weggis über den Seilbahnkorridor Weggis – Rigi Kaltbad und eine Umzonung auf Rigi Kaltbad für eine neue Bergstation.

Die Abstimmung wird als Volksentscheid für oder gegen einen Systemwechsel von der heutigen Pendelbahn zu einer Gondelbahn inszeniert.

Ob eine Gondelbahn durch eine der wertvollsten Landschaften der Schweiz an der steilen Rigi-Südflanke überhaupt umweltrechtlich und sicherheitstechnisch bewilligungsfähig ist, wird wird in den nächsten Jahren im Plangenehmigungsverfahren oder vom Bundesgericht geklärt. Es geht um das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, BLN 1606.

Wir sind der Auffassung, dass ein 1:1-Ersatz der bestehenden und bewährten Pendelbahn dem Bau einer neuen Gondelbahn vorzuziehen ist und empfehlen die Ablehnung des Umzonungsgeschäfts. Die nachstehenden Gründe informieren über die vielen Gründe für ein NEIN.

 

  1. Sicherheit. Die Pendelbahn bietet mit ihren drei Seilen trotz nur drei Masten die höchstmögliche Sicherheit. Bewegt wird sie von einem Zugseil und dazu läuft sie auf zwei Tragseilen wie auf Schienen. Dadurch kann sie stärkeren Winden trotzen als eine Gondelbahn, in der alle Kabinen an nur einem einzigen Seil hängen.
  2. Geschwindigkeit. Die Pendelbahn ist nicht nur ein kapazitätsstarkes, sondern auch ein schnelles Verkehrsmittel. Eine Gondelbahn erreicht die heutige Fahrzeit von 7 Minuten nie. In der Rigibahn-Familie ist die Verbindung Weggis-Kaltbad seit jeher der Express; diese Rolle kann nur eine Pendelbahn spielen.
  3. Nachfragegerechtigkeit. Die Pendelbahn ermöglicht einen an die Nachfrage angepassten Betrieb. Ist diese schwach, reicht der 30-Minuten-Takt. Ist sie hoch, verkehrt die Bahn alle 15 Minuten. Mit einer App, über die sich in Spitzenzeiten Plätze für bestimmte Kurse buchen lassen, können Wartezeiten ganz vermieden werden.
  4. Gästebetreuung. Die Kabinen der Pendelbahn sind von Personal begleitet. Dieses ist nicht nur dem Sicherheitsgefühl der Reisenden zuträglich, sondern auch ihrem Informationsbedürfnis. In der Gondelbahn fehlen die freundlichen Damen und Herren, die den Gästen immer wieder gute Tipps geben.
  5. Flexibilität. Die Pendelbahn bietet mit ihren grossen Kabinen höchstmögliche Flexibilität. Eine Gondelbahn schränkt den spontanen Transport von Gütern und grossem Gepäck in Randzeiten ein. Und erlebnisreiche Events wie die kulinarischen Abendfahrten in den grossen Kabinen werden nicht mehr möglich sein.
  6. Landschaftsverträglichkeit. Die Pendelbahn hat grosse Spannweiten und lässt hohe Masten zu. Dadurch setzt sie sich anders als eine Gondelbahn über das von ihr überfahrene Gelände hinweg – insbesondere auch über den Schutzwald. Die Pendelbahn ist als System für die von Felsbändern geprägte Rigi-Südseite prädestiniert.
  7. Umweltverträglichkeit. Indem die Pendelbahn nur in den Spitzenzeiten permanent verkehrt und sonst immer wieder Pausen macht, verursacht sie viel weniger Lärm als die Gondelbahn, die ununterbrochen und über ein Vielfaches von Masten rattert, egal, ob der Andrang der Gäste gross oder klein ist.
  8. Erholungsortverträglichkeit. Die Pendelbahn trägt dem Charakter von Rigi Kaltbad als Erholungsort Rechnung. Der Motor ist bewusst in der Talstation platziert und die Bergstation auch optisch so angeordnet, dass sie vom Dorfplatz aus nicht wahrnehmbar ist. Mit der Gondelbahn würden beide Errungenschaften aufgegeben.
  9. Architekturverträglichkeit. Die Pendelbahn und die heutige Bergstation sind wie das Hotel Rigi Kaltbad und das Mineralbad bewusst in das vom Architekten Justus Dahinden in den 1960er Jahren entworfene Gesamtkonzept einer demokratischen, durch nichts verbauten Aussicht eingegliedert. Mit der für die Gondelbahn vorgesehenen voluminösen Bergstation wird mit diesem Prinzip gebrochen.
  10. Bewilligungsfähigkeit. Der 1:1-Ersatz der Pendelbahn ist nicht nur sicherheits- und wettermässig robuster als der mögliche Bau einer Gondelbahn. Er ist auch bewilligungstechnisch wasserdicht, weil die Umweltverträglichkeit der Pendelbahn bereits seit über 50 Jahren gegeben ist.

 

Fazit

Unter Abwägung aller Aspekte ist der 1:1-Ersatz der bestehenden Pendelbahn gegenüber einer neuen Gondelbahn im täglichen Betrieb und auch bezüglich Umsetzung die schnellere, robustere und umweltverträglichere Lösung.

Mit einem NEIN zu den Umzonungen am 27. November 2022 lassen sich die Weichen schneller in Richtung Pendelbahn stellen. Ein JA bedeutet hingegen anhaltende Unsicherheit über die künftige Verbindung zwischen Weggis und Rigi Kaltbad.

Unser Motto lautet deshalb: Lieber eine klassische Schwebebahn mit zwei grossen Kabinen und drei Masten auf sicher als eine Gondelbahn mit bis zu 31 Gondeln und elf Masten in der Schwebe.

 

Freundinnen und Freunde der Rigi

Toni Bottinelli, Dorly Frei, Alexander Karrer, Richard Maurer, Hagen Mühle, Caroline und Paul Schneeberger, Robert Schwere, René Stettler, Max Ulrich, Peter Vock, Franziska Waldis, Caroline Weibel, Ivo Voehringer, Paul Widmer, Feerena Zuber, Daniel M. Züst.

15 von 7723 Unterzeichnenden zweier Rigi-Petitionen. Die 2. Rigi-Petition bittet die Rigi Bahnen AG vom schonungslosen Eingriff in die geschützte Landschaft für den Bau einer Gondelbahn mit 11 Masten abzusehen.

Betriebswirtschaftlich vertretbar?

Zum Leserbrief von Ruedi Imgrüth vom 1. Juli 2022
Ich bin auch einer der klugen Köpfe, die für ein Nein an der Urnenabstimmung vom 25. September
2022 votieren. Für eine neue Pendelbahn brauchen wir keinen anderen Seilbahnkorridor. Auch ich möchte, dass unsere Kinder und Enkel weiterhin von Weggis nach Rigi Kaltbad fahren können. Ich
ziehe aber eine Bahn mit zwei Tragseilen und einem Zugseil vor, da sie sicherer ist und stärkeren
Winden trotzt als eine Einseilumlaufbahn. Bekanntlich nehmen die starken Unwetter aufgrund des
Klimawandels zu.
Noch etwas für kluge Köpfe: Seit Jahren steht die Gondelbahn auf den Innsbrucker Patscherkofel in
der Kritik. Dort müssen aufgrund von hohen Windgeschwindigkeiten die Anlagen immer wieder eingestellt werden. Erfolglos hatten die Kritiker dieser von den Rigibahnen als «Referenzanlage» gepriesenen Bahn eine Revitalisierung der alten Pendelbahn gefordert. Das wäre die billigere und
weniger aufwändige Lösung gewesen. In Zeiten dramatisch steigender Energiepreise ist auch die Frage berechtigt, ob es betriebswirtschaftlich noch vertretbar ist, eine neue Gondelbahn zu bauen, die im Dauerbetrieb viel mehr Strom verbraucht als eine Pendelbahn.

Peter Vock, Wohlen/Rigi Kaltbad

„Betriebswirtschaftlich vertretbar?“, Peter Vock, Leserbrief, Wochen-Zeitung, Nr. 27, S. 15, 8.7.22.

Apropos «Gondelbahn Weggis»

Mit Interesse und Erstaunen habe ich den Beitrag «Gründung IG Pro Gondelbahn Weggis zur Unterstützung des Projekts» von letzter Woche gelesen, vor allem die Liste der 10 Gründe zur Unterstützung einer umlaufenden Gondelbahn. Sprechen diese Gründe nicht eher für den Erhalt oder eine Erneuerung der bestehenden Seilbahn?
Beispielsweise heisst es da: «7. Weggis muss sicher bleiben!». Als Einwohner von Weggis wünsche ich mir dies sehr. Aber verursachen die Projekt-Pläne nicht gerade das Gegenteil? Eine Rodung unseres Schutzwaldes auf einer Breite von 60 Metern: was werden die Auswirkungen sein? Und wer würde dann in die Pflicht genommen werden und bezahlen, wenn Weggis «unsicherer» wird (Steinschlag, Murgänge)?
Auch mache ich mir Sorgen bezüglich des zunehmenden Verkehrs: wie wirkt sich dies auf unsere Lebensqualität aus? Hier stellt sich auch die Frage über die Art des Tourismus, den wir fördern: wollen wir einen Qualitätstourismus oder einen Massentourismus?
Übrigens: Zeit auf einem Berg zu verbringen bedeutet für mich als häufigem Berggänger auch Entschleunigung und kurze Wartezeiten sehe ich nicht als genügenden Grund an, eine Korridorrodung in einem Schutzwald zu tätigen. Allfällige Wartezeiten könnten aber schon jetzt reduziert werden: alle 15 Minuten fahren (anstatt alle 30 Minuten). Darüber hinaus kann die bestehende Seilbahn bei höheren Windstärken immer noch fahren, während eine umlaufende Gondelbahn den Betrieb früher einstellen müsste. Das würde sicher auch nicht im Interesse unserer Kaltbad-Weggiser sein.
Mir scheint, dass viel Politik mit wenig handfesten Argumenten betrieben wird und das finde ich sehr
schade. Eine neutrale Sammlung und Besprechung von stichhaltigen Argumenten für und gegen die
eine oder andere Lösung wäre hilfreich!

Dr. K. Brueggemann, Weggis

„Apropos ‚Gondelbahn Weggis'“, Konrad Brueggemann, Leserbrief, Wochen-Zeitung, S. 10, 13.5.22.

Argumente gegen die geplante Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad

Die Rigi Bahnen AG plant den Ersatz der heutigen Pendelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad (Baujahr 1968) durch eine Gondelbahn sowie weitere Neubauten und Anpassungen der heutigen Infrastrukturen (Berg- und Talstation, Areal rund um die heutige Talstation). Für die Bewilligung und Realisierung der Projektbestandteile müssen kommunale Nutzungspläne und das regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept angepasst werden. Sodann benötigen die Rigi Bahnen Konzessionen und Plangenehmigungen durch das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Erst am 11. Februar 2020 – einen Monat nach Erhalt – publizierten die Rigi Bahnen das brisante ENHK-Gutachten (Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission), das sich zum Landschaftseingriff für den Bau einer Gondelbahn an der Rigi-Südflanke äussert.

Das Gutachten ist eine grosse Enttäuschung für alle, die von der ENHK ein klares Statement zum Schutz der landschaftlich einmaligen Rigi-Südflanke (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler 1606 Vierwaldstättersee, BLN) sowie eine dezidierte Stellungnahme zur eminent wichtigen Funktion des Weggiser Schutzwalds (Chilewald) erwartet haben.
PDF Gutachten der ENHK – Ersatz Pendelbahn Weggis – Rigi Kaltbad, UVB-Voruntersuchung mit Pflichtenheft für die Hauptuntersuchung, Gemeinde Weggis LU

Sogleich stellten wir in einer Medienmitteilung am gleichen Tag die neuesten und skandalösen Fakten zum drohenden Eingriff in den Weggiser Schutzwald zuhanden der Allgemeinheit zur Verfügung.
> PDF Medienmitteilung 11.2.20

Gemeinde Weggis: Fehlerhafte öffentliche Auflage Seilbahnkorridor verletzt Bundesrecht und Planungs- und Baugesetz
14 dezidierte Einsprachen von Schutzverbänden und privaten Anstössern gegen geplante Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad mit 11 teils scheusslichen Masten im geschützten BLN-Gebiet 1606
Rigi Bahnen AG (RBAG): Völlig realitätsfremde Wachstumsstrategie 2020 – 2024
Rigi-Petitionen: Mehr als 7500 Unterschriften
Der Gemeinderat von Weggis hat mit einer fehlerhaften öffentlichen Auflage das seilbahnrechtliche Verfahren in rechtsverletzender Weise präjudiziert. Die Einzonung des eigentümerverbindlichen Seilbahnkorridors «auf Vorrat» im geschützten Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN-Gebiet 1606, Vierwaldstättersee), im Rahmen einer Teilrevision Zonenplan und Bau- und Zonenreglement (BZR Gemeinde Weggis), ist völlig unhaltbar. Ein fast 60 m breiter Korridor für eine Gondelbahn an der Rigi-Südflanke, mit 11 teils scheusslichen überdimensionierten Masten, ist für die bundesrechtlich geschützte Landschaft ein absolutes No-Go! Medienmitteilung 14.1.22

Rigi Bahnen AG: Scharfe Kritik von Aktionärsgruppe an der Selbstbedienungsmentalität des Managements angesichts des alarmierenden operativen Verlusts von CHF 2,37 Mio. im Geschäftsjahr 2020, der dramatischen Liquidität sowie Entlassungen und Änderungskündigungen im Krisenjahr 2020 – Zwingende Anträge zuhanden der Generalversammlung (GV) ohne Aktionärinnen und Aktionäre vom 12. Mai 2021, Medienmitteilung 30.4.21Schriftliche Fragen und Anträge von Aktionärinnen und Aktionären der Rigi Bahnen AG vom 29.4.21 / Antwort des Verwaltungsrats vom 7. Mai 2021 / Zusatzfragen vom 8. Mai 2021
Rigi Bahnen AG: Dramatischer Geschäftsverlauf 2020 mit einem alarmierenden operativen Verlust von CHF 2,37 Mio., angespannte Liquidität und trotzdem mehr Lohn für die Geschäftsleitung im Jahr 2020, jedoch keine Aktionärsdividende – Petition «Rigi: 800’000 sind genug!» wird bis 30. September 2022 verlängert, Medienmitteilung 23.4.21
Laufende Petition «Rigi: 800‘000 sind genug!» mit 3453 Unterzeichnungen übertrifft 1. Rigi-Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World». 7 Millionen Franken überteuertes neues Vitznauer Dienstleistungszentrum der Rigi Bahnen ohne Warteraum für Individualreisende
Medienmitteilung 20.11.20
Rigi Bahnen halten trotz Tourismuskrise an realitätsfremder Wachstumsstrategie und 25-Millionen-Franken Gondelbahnprojekt fest und nehmen Zerstörung geschützter Lebensräume im BLN-Gebiet 1606 in Kauf. VR und GL schweigen nach wie vor zu den Dumpingpreisen Medienmitteilung 1.10.20
Konstruktive Vorschläge der Aktionäre / Petitionäre Antoinette Schmid, René Stettler und Ivo Voehringer zuhanden VR/GL RBAG, 12.8.20
„Rigi Bahnen: Fragwürdiges Protokoll der 28. Generalversammlung vom 14.5.20“, Medienmitteilung, 5.6.20 / Kurzversion Medienmitteilung
„‚Der Schutz der Biodiversität muss oberstes Ziel sein'“, Leserbrief, René Stettler, Luzerner Zeitung, S. 27, 12.5.20
„Rigi-Petitionäre kritisieren Dumpingpreise für Asiaten und Eingriff in die Landschaft scharf“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 29.4.20
PDF Stellungnahme zu den Antworten des Verwaltungsrats der Rigi Bahnen AG vom 22. April 2020 auf 3 Anträge zuhanden der Generalversammlung vom 14. Mai 2020 (ohne Anwesenheit der Aktionärinnen und Aktionäre), Medienmitteilung, 28.4.20
„Tatsächlich: Rigi-Aktionäre können erstmals über Tourismus-Strategie abstimmen“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 22.4.20
„Brisante Anträge für Rigi-Versammlung“, Niels Jost, Luzerner Zeitung, S. 28, 18.4.20
„GV der Rigi Bahnen AG: Drei brisante Anträge könnten Aktionäre beschäftigen“, Niels Jost, Luzerner Zeitung online, 17.4.20
PDF Schriftliche Anträge von Aktionärinnen und Aktionären der Rigi Bahnen AG zuhanden der ordentlichen Generalversammlung 2020 vom 14. Mai 2020, ohne Teilnahme der Aktionärinnen und Aktionäre, 14.4.20
„Umweltverbände kritisieren Bundesgutachten zu Rigi-Gondelbahn“, Luzerner Zeitung online, 17.3.20
„Umweltverbände kritisieren Gutachten zu Rigi-Gondelbahn“, htr.ch, 17.3.20

Stellungnahme zum Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK)

Die Stellungnahme vom 27.3.20, die über den Link unten heruntergeladen werden kann (PDF), beinhaltet folgende 13 Punkte sowie abschliessende Bemerkungen:

  1. Das ENHK-Gutachten vom 13.12.19 basiert auf widersprüchlichen Grundlagen.
  2. Das ENHK-Gutachten basiert auf Grundlagen, welche zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens nicht auf dem aktuellen Stand waren.
  3. Dem ENHK-Gutachten kann nicht entnommen werden, ob der Einfluss auf die Biodiversität bei den Stützenstandorten berücksichtigt wurde.
  4. Im ENHK-Gutachten ist nicht lesbar, ob der Zunahme der Naturgefahren im Chilewald und für die Bewohner von Weggis Rechnung getragen wurde.
  5. Das ENHK-Gutachten zeigt, dass die erforderliche Waldschneisenbreite nicht geprüft wurde.
  6. Das ENHK-Gutachten bestätigt, dass Rodungen im Chilewald erforderlich sind, erwähnt aber die reduzierte Steinschlag-Schutzwirkung nicht.
  7. Das ENHK-Gutachten nimmt nicht Stellung dazu, dass die Stütze 11 und die Bergstation in einer Quellschutzzone stehen.
  8. Das ENHK-Gutachten nimmt nicht Stellung zur Waldbrandgefahr während einer Trockenperiode.
  9. Das ENHK-Gutachten wertet den Einfluss des permanenten Lärms einer Gondelbahn im Dauerbetrieb nicht.
  10. Das ENHK-Gutachten nimmt in keiner Weise Stellung zur Zerstörung der Biodiversität als Folge von Vibrationen einer Gondelbahn.
  11. Das ENHK-Gutachten spielt die landschaftliche Dominanz der neuen 65 Meter hohen Vollwandstütze 3 herunter.
  12. Das ENHK-Gutachten basiert auf einer irreführenden Aussensicht auf die Rigi-Südflanke und verharmlost die Landschaftsverschandelung durch den 75 Meter hohen Masten 7 auf der Müseralp.
  13. Das ENHK-Gutachten macht irreführende Angaben bei der Begründung des Systemwechsels von der Pendel- zur Gondelbahn.

Abschliessende Bemerkungen

PDF Stellungnahme zum Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK), publiziert am 27. März 2020

 

Geschütztes BLN-Gebiet 1606 von nationaler Bedeutung: Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi



PDF Begründung der nationalen Bedeutung / Schutzziele (Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN)

PDF Teilraum 3: Rigi – Kantone Luzern, Schwyz / Schutzziele (Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN)

Die Konsequenzen einer Gondelbahn durch die hoch-exponierte und geschützte Rigi-Südflanke (BLN 1606)

Die Konsequenzen einer Gondelbahn sind sowohl für die hoch-exponierte und geschützte Landschaft des Rigi-Südhangs wie auch den heute schon an seine Grenzen stossenden Tourismus auf der Rigi mit knapp einer Millionen Reisenden pro Jahr massiv:

  • Eine Gondelbahn hat Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr, das Parkraumangebot, Kapazitätsengpässe bei der Anreise nach Weggis sowohl im Bereich öV, Schiff und Strasse.
  • Es ist unklar, wie sich die Frequenzen und Besucherströme nach der Inbetriebnahme einer Gondelbahn entwickeln und wie einer massiven Überschreitung der Strassenkapazität und des Parkplatzangebots entgegengewirkt werden kann.
  • Das zu erwartende Verkehrsaufkommen steht in krassem Widerspruch zur den heute geforderten CO2-Reduktionen, die in Zeiten des Klimawandels für alle Grossprojekte unabdingbar sind. Das geplante erhöhte Parkraumangebot für Tagesgäste bewirkt eine grosse Zunahme der CO2-Emissionen in Weggis von der alle Weggiserinnen und Weggiser betroffen sind.

 

Absolut unannehmbar sind folgende schweren Eingriffe in die Natur und die Tierwelt:

– 2 hässliche gekröpfte Doppelmasten Nr. 1a und 1b vor der Talstation sowie Nr. 9a und 9b auf der Geländekante unterhalb von Rigi Kaltbad
– am Fuss des Weggiser Chilewalds BLN 1606 – grobe Vollwandstütze Nr. 3 mit 65.50 m Höhe
– überdimensionierter, die geschützte Landschaft verschandelnder Masten Nr. 7 von 74,90 m Höhe auf der Müseralp BLN 1606 – der Betonmasten I der bestehenden Pendelbahn an der Geländekante zur Müseralp ist im Vergleich 44.50 m hoch
– Wildruhezone BLN 1606 – Masten Nr. 7 und 8 sowie Nr. 9a und 9b
– Zerstörung bestehendes Biotop BLN 1606 auf Rigi Kaltbad für Masten Nr. 10
– Beeinträchtigung der Quellschutzzone BLN 1606 auf Rigi Kaltbad für Masten Nr. 11

Bild unten: Standort des Mastens Nr. 10 im geschützten sehr grossen Biotop (hellgrün umrandet), das zerstört wird.

 

Streckenführung und -profil der geplanten Gondelbahn durch die geschützte Landschaft

 

 

Streckenführung der geplanten Gondelbahn durch das BLN-Gebiet 1606 (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler 1606 Vierwaldstättersee) und der betroffene Korridor im Weggiser Schutzwald (Chilewald), wo mutmasslich umfangreiche Rodungen (Waldschneise) und später kostspielige Schutzbauten nötig sind (grosser grauer Balken). Rotes Dreieck: Standort des überdimensionierten neuen Mastens von ca. 75 Metern Höhe auf der Müseralp.
Visualisierung: René Stettler, 2019; Photo Rigi-Südhang/Weggis: Antoinette Schmid, Rigi Kaltbad, 2018.

 

 

 

 

Das am 5. Februar 2020 anlässlich einer Informationsveranstaltung in Vitznau von den Rigi Bahnen öffentlich gezeigte Streckenprofil der geplanten Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad mit 3 überdimensionierten Stützen (rot gestrichelte Kreise; Stützen 3, 4 und 7), die Teil der drohenden «Wöschhänki» an der Rigi-Südflanke sind, die das Landschaftsbild verschandelt.

Die Vollwandstütze 3 am Fuss des Weggiser Chilewalds überragt das Gelände mit unglaublichen 65.50 Metern. Die Stütze 4 im Chilewald hat eine Höhe von 38.43 Metern und die Stütze 7 in der Geländekante Müseralp eine Höhe von rund 75 Metern! Die Stütze 11 – die letzte Stütze vor der Bergstation – kommt in eine Quellschutzzone zu stehen (Standort: gestrichelter roter Kreis im Bild oben rechts und blau gestrichelte Fläche im Kartenausschnitt unten).
Streckenprofil: © Rigi Bahnen AG, 2020; Visualisierung mit roten gestrichelten Kreisen / Kartenausschnitt Areal vor der Bergstation: René Stettler, 2020.

 

 

Forderungen im Zusammenhang mit dem Ersatz der heutigen Pendelbahn

  • Die Beweggründe der Rigi Bahnen AG für den Bahnsystemwechsel müssen sachkompetent geprüft werden.
  • Es ist bei allen Planungen unumgänglich, die wichtige Schutzfunktion des Weggiser Chilewalds einzubeziehen. „Chilewald: Wichtiger Schutzwald für Weggis“, Silvio Covi, Wochen-Zeitung, Nr. 5, S. 7, 31.1.20; „Weggis braucht den Schutzwald“, Gallus Bucher, Wochen-Zeitung, Nr. 12, S. 14-15, 20.3.20. Dieser Bericht von Gallus Bucher zeigt auch auf, welche wichtige Schutzfunktion der Wald an der Rigi-Nordlehne hat: „Schutzwald erfüllt wichtige Schutzfunktion“, Gallus Bucher, Wochen-Zeitung, Nr. 41, S. 10-11, 9.10.20. „Pro Rigi für Umwelt schonende Erneuerung der Luftseilbahn Weggis–Rigi Kaltbad“, Vorstand der Pro Rigi, Wochen-Zeitung, S. 6, 11.3.22.
  • Die gesetzlichen Auflagen der Schutzzonen müssen zur Vermeidung der Naturgefahren konsequent durchgesetzt werden.
  • Der Schutz der Biodiversität muss oberstes Ziel sein.
  • Das Ziel muss sein, die Zerstörung des Landschaftsbildes zu verhindern.
  • Die Bevölkerung muss vor möglichen Lärmbelastungen durch die Seilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad geschützt werden.

 

 

Weggiser Chilewald mit der heutigen Pendelbahn nach Rigi Kaltbad. Droht dem Weggiser Chilewald, der eine eminent wichtige Schutzfunktion hat, eine riesige Waldschneise? Der Weggiser Chilewald ist mit dem Hang ob der 2019 gebauten Gondelbahn Schmitten, Zell am See – Kaprun / Österreich, vergleichbar (Bild unten). Die Rigi Bahnen stellen eine mutmasslich bis 70 Meter breite Waldschneise in Abrede. Die neuesten Fakten mit Einschätzungen von Fachleuten des Seilbahnbaus sehen anders aus!
Bildnachweise: Photo Chilewald von Antoinette Schmid, Rigi Kaltbad, 2019; Photo der Talstation Gondelbahn Schmitten (Ausschnitt) © Schmittenhöhebahn AG, 2019.

 

 

Bild unten: Von Stamm zu Stamm (A – B) misst die heutige Waldschneise im Weggiser Chilewald 35.2 Meter (Messung vom 22.5.21). Für eine Gondelbahn wäre eine ca. 70 Meter breite Waldschneise notwendig (beidseitig gestrichelte rote Linie).

 

 

Bild unten: Die Skizze C zeigt, dass die Breite der Schneise von der Höhe der äussersten Bäume entlang der Schneise bestimmt wird.

Bei der Annahme einer Baumhöhe von rund 30 Metern (was im Chilewald der Fall ist), ist eine Schneisenbreite von ca. 70 Metern erforderlich. Die Messungen vom 22.5.21 haben ergeben, dass die heutige Schneise (A – B) in etwa der Höhe eines Baumes entspricht. Die Breite der bestehenden Schneise muss also verdoppelt werden (Gondelbahnbau-Fachwissen)!

Ein umfallender Baum darf die Kabinen der Gondelbahn nicht berühren. Diese Erfordernisse wurden bis heute nicht überprüft (ENHK-Gutachten). Muss die Schneise verbreitert werden, sind die angrenzenden Bäume bei Sturm gefährdet. Es kann sogar ein Dominoeffekt entstehen, d. h. einzelne Bäume können andere Bäume entwurzeln. Die Geländekante Chilewald / Müseralp ist sehr windexponiert und deshalb sind die dort höheren und stärkeren Windgeschwindigkeiten mitzuberücksichtigen.

 

Geplante Umzonung der Parzelle 1318 auf Rigi Kaltbad für die Bergstation der neuen Gondelbahn verstösst gegen das Weggiser Siedlungsleitbild

Die geplante Umzonung der bestehenden Bergstation Parzelle GB 1318 in die nutzungsbeschränkte Kur- und Hotelzone Rigi Kaltbad, sowie die damit verbundene Erweiterung der heutigen Bergstation der bestehenden Pendelbahn, stehen diametral zum Leitgedanken des Weggiser Siedlungsleitbilds, genügend Frei- und Grünräume zu sichern. Gemäss rechtskräftigem BZR der Gemeinde Weggis (Bau- und Zonenreglement) dient die Kur- und Hotelzone der Erholung und dem Tourismus (in Zukunft mit Fokus auf Individualgäste!).

Dies gilt insbesondere auch für den öffentlichen Dorfplatz mit Panoramarundsicht auf Rigi Kaltbad.
Daraus folgt: Die die ortsspezifische Identität prägende Kur- und Hotelzone Rigi Kaltbad und der Dorfplatz bzw. ihre definierte Grösse bis hin zur Grünzone und Wald dürfen als wertvoller unbebauter Freiraum nicht weiter verbaut und verdichtet werden (siehe Photo unten).

Das Beispiel der geplanten Umzonung zeigt deutlich, dass gegensätzlich zum Siedlungsleitbild gehandelt wird. Die Visualisierung der geplanten Bergstation für eine Gondelbahn (2. Bild unten) mit einer neuen Höhenkote von 1439 m ü. M., die 3.5 m über dem Dorfplatz liegt (!), zeigt die drastischen Folgen der Verdichtung, die nicht kommentiert werden!

 

 

PDF Kritikpunkte – Mitwirkungsverfahren Weggiser Siedlungsleitbild – 5.2-5.3.22